Abschreckungskunst, Zur Ehrenrettung der apokalyptischen Phantasie.
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TextSeries: Schöningh, Fink and mentis Religious Studies, Theology and Philosophy E-Books Online, Collection 2007-2012, ISBN: 9783657100088Publisher: Paderborn: Schöningh and Fink, 2012Description: 1 online resourceContent type: - text
- computer
- online resource
- 9783846752883
- 355.0217
- U263 .H685 2012
Preliminary Material -- Vom ausgebliebenen Ende -- 14/18: Der massakrierte Krieg und seine Meldegänger -- Deutungskämpfe über Gräberfeldern -- 39/45: Overkill II -- Testexplosionen unter der Schädeldecke -- Die Einbildungskraft proliferiert -- „Death-Worlds“ oder Alle Welt wird Niemandsland -- Schluß: Tête-à-tête mit Medusa -- Benutzte Literatur und andere Quellen.
Warum hat der Dritte Weltkrieg nie stattgefunden? Weshalb fand die menschliche Zivilisation nicht durch die Zerstörungskraft eines atomaren Krieges ihr Ende? Ganz einfach: Die Kunst konnte es verhindern. Die fieberhafte, multimediale Darstellung eines atomaren Weltuntergangs, die Welle (post-)apokalyptischer Phantasien in Romanen, Filmen, Theaterstücken und Songs der 70er und 80er Jahre, hat als Abschreckungskunst den Ausbruch eines Atomkrieges verhindert. Doch weshalb gibt es dann überhaupt Krieg? Der Erste Weltkrieg war als totaler Krieg ein nie dagewesenes Ereignis, etwas ganz Neues und bis dahin Undenkbares, das erst in den Raum des Vor- und Darstellbaren hineintransportiert werden musste. Die Wirklichkeit war also schneller als die Kunst. Eine Aufholjagd mit der Realität leistete dann die deutsche und englische Kriegsdichtung, die gleichsam als Augenzeugenbericht direkt am Kriegsschauplatz entstand, sowie die spätere Aufarbeitung in Remarques berühmtem Roman Im Westen nichts Neues oder im Kino, beispielsweise mit dem Film Westfront. Zur Verhinderung des Zweiten Weltkriegs reichten die so aufgebauten ästhetischen Widerstandspotentiale allerdings bei Weitem nicht aus. Erst als sich der schwarze Humor ausbildete, als Reaktion auf die neuerliche Erfahrung entgrenzter Gewalt, war ein effektives Mittel zur Verhinderung von Krieg gefunden. Bekannte Bei- spiele sind Joseph Hellers Catch-22 von 1961 und Stanley Kubricks Dr. Strangelove von 1964. Einen Grund zum Feiern gibt es trotzdem nicht. Die Waffen- arsenale auf der ganzen Welt sind weiterhin gut gefüllt. Auch die Militärstrategen sind phantasiebegabt und manöv- rieren ohne Unterlass. Der Kampf der Kriegsspiele und Simu- lationen geht weiter. Wenn die falsche Partei obsiegt, wird die Todeszone, die als Niemandsland im Ersten Weltkrieg auftauchte und sich seither kontinuierlich ausdehnt, endgül- tig global. Das Versprechen des »war to end all wars«, das schon über dem Ersten Weltkrieg stand, würde dann durch Auslöschung aller kriegsführenden Parteien wahr. Abschreckungskunst beschreibt die Rolle der apokalyptischen Phantasie, die sich und uns das Schlimmste ausmalt, um es zu verhüten.
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